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Hallo zur Bundesligarunde 12.
Es zeichnete sich schon gestern ab. Morosevich und Kasimdshanov blitzen
in Solingen bei Grand-Prix der Schachgesellschaft. Herbert Scheidt´Truppe
ist trotz der geplatzten Meisterschaftshoffnung an den ersten Brettern
in Topbesetzung gegen Tegernsee angetreten. Gut Piket fehlt. Doch mit
Jussupow und Hübner sitzten Schwergewichte an den Brettern 3+4. Emms
ist dabei, seine Landleute Sadler, Norwood und Chandler fehlen. Lobron,
Naumann und Schäfer komplettieren das Feld.
Bei Tegernsee vermissen wir Ribli und Bauer. Auch Stangl ist nicht dabei.
Dafür sehen wir die Ketino Kachiani-Gersinska an Brett 6 gegen Lobron.
Die Gastgeber bieten alles. Nicht nur ein schönes Ambiente im IBIS-Hotel
in Gelsenkirchen. Auch die Mannschaft ist vom Feinsten: Nur Mannschaftskapitän
Stefan Balster fehlt am Brett. Doch vor Ort zieht er die Fäden hinter
den Kulissen. Und Andreas Schirbel an Brett 8 wird ihn würdig ersetzen.
Espig und Gdanski fehlen bei Plauen. Sonst tritt das Team in Topbesetzung
an. Mit Altstar Beljawski, OlympiaSilbergewinner Bischoff und Bundestrainer
Bönsch an den Spitzenbretter verspricht das Wochenende auch hier
einiges.
15:08
Brett 1 Ge-Pl: Mit Knapp 200 Elo Punkten mehr und Weiß wird Beliavsky
sicherlich den Auftrag haben zu siegen. Und er zaudert nicht. In der Halbslawischen
Partie opfert er einen Bauern und steht leicht besser. Der schwarze König
steht findet keine richtige Bleibe. Die schwarzen Figuren stehen beengt.
Michail Feigin hat es nicht leicht.
Überhaupt: Auch an den anderen Brettern wird mutig gespielt. Kalka
versteckt sich vor unserem Bundestrainer nicht.
15:20
"Ereignisloses Remis. Bedarf keines Kommentares" meint Alexander
Naumann. Er einigt sich nach 16 Zügen gegen Pezerovic auf ein Unendschieden.
15:30
Und noch'n Remis zwischen Solingen und Tegernsee. Nach 18 Zügen beendeten
Beim und der Ex-Tegernseer Jussupow ihre Gewinnbemühungen.
Am zweiten Brett riecht es dafür nach einem schnellen Sieg. Kasimdshanov
hat gegen Hertneck einen starken Angriff auf dem Brett. Dame und Turm
halten die a-Line unter Druck. Und zugleich blickt die Dame nach c6....
15:50
Neben mir Stefan Balster, Mannschaftsführer der Königsspringer
aus Gelsenkirchen. Stefan, Du hast gerade Deinen Rundgang durch die Bretter
gemacht. Wie steht es um deine Truppe?
Stefan: Im Moment nicht so gut, aber unsere stärkste Phase ist die
3. Stunde !!
Und er verschwindet wieder zum Beistand seiner Truppe. Tatsächlich:
auch die Zeit sollte den Gastgebern Sorgen bereiten. Ahn, Meessen, Feygin
haben fast alle eine halbe Stunde mehr Bedenkzeit auf der Klappe. Meessen
und Feygins Stellungen sind nicht einfach. Feygin hat lange darüber
nachgedacht, ob es richtig ist mit 15. - e5 seinem Läufer Felder
zu geben. Auch Beljawski prüfte seine Rochade sorgfältig. Die
Partie scheint ihrem Höhepunkt entgegenzugehen.
16:05
Höhepunkte beim Kampf Solingen-Tegernsee gibt es insbesondere an
den ersten beiden Brettern. Kasimdshanov hat die b-Line geöffnet
und setzt den schwarzen König nunmehr an dieser Front unter Druck.
Der Rechner gibt dem Russen nun schon etwa 3 Einheiten Vorteil. Nach Tc5:
zeigen alle weißen Figuren auf den bayrischen König. Es steht
nicht gut um Gerald Hertneck.
16:25
Übel für Gelsenkirchen: Feygin zeigt Mut und rochiert kurz,
doch bei der Wahl, mit welchem Turm die c-Line zu besetzen ist, greift
er fehl: Nach dem sofort folgenden Le4 bleibt eine Qualität auf der
Strecke.
16:35
Und Kasimdshanov gewinnt. Der Favorit geht 2-1 in Führung.
16:55
Und das erste Remis der Begebnung Gelsenkirchen-Plauen können wir
vermelden. Kishnev und Bischoff einigten sich auf ein Unendschieden. Ok,
die Stellung sieht nicht vielversprechend aus. Aber die Gelsenkirchner
brauchen jeden Punkt. Doch vielleicht hat die Knappe Zeit den Russen bewogen
Frieden zu schließen. 25 versus 42 Minuten lautet Bischoffs Vorteil.
17:05
sca: Bei mir Alexander Naumann. Alex wie steht es um euch?
Alexander Naumann: Morosevich hat sicherlich keine Probleme, aber auch
keinen Vorteil. Robert hat einen kleinen Endspielvorteil im Turmendspiel
und wird sicherlich alles versuchen.
sca: Hat er wirklich Chancen?
Alexander Naumann: Wenn er das weiterspielt gehe ich davon aus. Emms
sollte ausgeglichen sein. Hier haben wir eine starke Remistendenz. Er
hatte ein wenig Initiative für seinen Bauern. Jetzt hat er dan Bauern
zurück. Remis wahrscheinlich. Eric´s Stellung gefällt
mir ganz gut. In Königsinder hat Schwarz keinen Angriff bekommen
und Weiß besitzt positionelle Vorteile. Am achten Brett würde
ich die schwarze Stellung vorziehen. Bromberger hätte nach dem Tausch
der schwarzfeldigen Läufer den besseren behalten. Mir waren solche
Stellungen immer sehr angenehm. Aber Weiß hat sicher noch seine
Chancen.
sca: Alles in allem: knapper Sieg für euch?
Alexander Naumann: Wir führen 2-1 und stehen an den restlichen Brettern
meist leicht besser. Da dürfte reichen. Ok, ich hoffe doch.
sca: Danke.
17:30
Feygin hat das Handtuch geschmissen. 1,5 - 0,5 für Plauen. und die
Zeitnotphase geht los....
17:40
und Schirbel wirft das nächsten Handtuch. Hoffen wir, daß der
Berg der Handtücher nicht zu hoch wird für die Gastgeber. Aber
auch Ahn; Meessen und Kotter haben großen Zeitnachteil...
17:50
Die Solinger haben allen Grund zum Optimismus. Moros Endspiel scheint
für den Solinger bsser zu stehen. Hübner ist in Kampfeslaune
und knetet Teske weiterhin. Gross hält die Tegernseer Hoffnungen
oben. Sein Mehr- und Freibauer sieht stark aus, trotz der unglcihfarbigen
Läufer. Schwer zu sagen, wie es an Brett 6 enden wird. Aber Schäfer
hat einen Läufer mehr gegen Bromberger.
17:55
Baumhus gewinnt gegen Sander und Gelsenkirchen verkürzt auf 1,5-2,5.
Aber das schwere Ende steht noch aus...
18:00
Khenkin und Morosevich trennen sich unentschieden.
Deutschlands stärkste Schachspielerin zeigt Nerven wie Drahtseile.
Schon nach dem 29. Zug wurde ihre Zeit knapp. Lobron zieht das Tempo an.
Die Menschentraube um das Brett wird größer, die Hektik ebenso.
Letztlich nur wenige Sekunden bleiben auf Uhr der Tegernseerin. Und die
Klappe fällt. Doch 43. Züge gespielt, zeigt die Rekonstruktion.
18:10
Kotter streicht die Segel: 3,5-1,5 für Plauen, die auch an den anderen
Bretter gut stehen. Bundestrainer Bönsch sitzt zufrieden vor seinem
Brett. Er hat einen Mehrbauern. Hackel hat gegen Ahn einen gesunden Mehrbauern
im Turmendspiel, und Schaller gleich eine ganze Figur. Plauen ist durch....
18:20
Auch Solingen ist durch. Zwei Siege von Schäfer und Lobron klären
die Fronten. Emms muß noch kämpfen für sein Remis. Robert
Hübner möchte seine Bauernmehrheit am Damenflügel nutzen.
18:55
Noch immer Ruhe nach der Zeitkontrolle. In der Partie Bönsch-Kalka
zeigt sich, dass 39. ... Ta8-g8 ein Fehler war. Der Turm fehlt jetzt auf
dem Damenflügel, die schwarze Stellung bricht zusammen. Weiß
erobert den Springer auf a6.
19:05
Es sieht übel aus für Emms. In der letzten Stunde hat Gross
seine Stellung kontinuierlich verbessert. Hübner hat in den letzten
Stunden zwei Remis ausgeschlagen und er scheint Recht zu haben. Henrik
Teskes Stellung ist nicht angenehm.
Gerade eben folgte der Durchbruch für Hübner: Übergang
in ein Bauernendspiel mit Minusbauern, aber den vermutlich schnelleren
Bauern am Königsflügel.
19:10
sca: Bei uns Markus Schäfer. Markus, Du bist mit der Beurteilung
von Alex vor einigen Stunden nicht einverstanden. Und der Erfolg gibt
Dir recht.
M.Sch.: Nach dem Tausch des schwarzfeldrigen Läufers kommt Weiß
in Vorteil. Ich bekomme starke Initiative und kann seine Schwächen
auf b6 und f5 angreifen. Bei Gelegenheit kann ich dann g2-g4 durchsetzen.
Um g4 zu verhindern hat mein Gegner erst einen Bauern und dann die Figur
geopfert. Er hat in meiner Zeitnot noch etwas Königsangriff bekommen,
so daß noch einige genaue Züge nötig waren. Ich denke
Stefan Bromberger hat das ebenfalls falsch eingeschätzt. Erst nach
dem Tausch hat er realisiert, daß er große Probleme bekommt.
sca: Bist Du zufrieden mit der Partie?
M.Sch.:Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Nach dem fünfzehnrundigen
Blitzturnier gestern, das bis nach Mitternacht ging, war ich doch noch
etwas erschöpft.
19:30
Dem Robert glauben wir ja fast alles - doch manchmal kann man sich täuschen.
Die Zentrumsbauern von Teske waren zu stark. Einen Bauern gab Henrik zurück,
dann lief sein d-Bauer. Hübner opfert den g-Bauern und beide Spieler
holen sich eine Dame. Jetzt sieht das Damenendspiel für Teske klar
gewonnen aus.
19:35
Und es ist gewonnen. So einfach wie die Partie wirkt, es war die mit den
meisten Emotionen heute. Zwei Remisangebote von Teske lehnt Hübner
ab. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, kämpft er wie ein Löwe
- und vergibt. Nicht nur den Sieg, sondern auch das Remis. Voller Anspannung
erhebt er sich vom Brett, gibt auf, unterschreibt das Formular, rückt
die Figuren wiederzurecht und verläst den Spielsaal. Auch an Teske
geht die Partie nicht spurlos vorbei. Viele Fehler und lang war sie, so
sein Kommentar. Nein, recht freuen könne er sich nicht. Die Mannschaft
habe eh verloren.
Emms gib sich ebenfalls geschlagen. Tegernsee kommt ran. Doch letztlich
trotz des 4,5-3,5 ein klarer Sieg für Solingen.
20:10
Uwe Bönsch stand schon lange auf Gewinn. Der Punkt kam erst spät.
Hackel setzt einen Freibauern durch und wahrt mit dem Sieg seine Chancen
auf eine IM-Norm. Rudolf Meessens schafft das Unmögliche und spielt
seinen Gegner schwindelig. Die ständigen Schachs der belgischen Königin
verdrehen dem Plauener den Kopf. Meessens Gewinn. Trotzdem: Plauen gewinnt
5,5-2,5.
20:15
Zum Abschluß ein Interview mit Henrik Teske. Henrik, wie fühlst
Du Dich nach Deiner Partie?
H.Tes.: Schlecht, es gibt nicht nur Schach im Leben. Ich hatte schlecht
geschlafen. Auch Robert Hübner war angeschlagen, hat eine schwere
Erkältung. Ich merkte, daß er sich auch nicht fit fühlt
und bot nach 11 Zügen Remis an. Doch er ist immer ein Kämpfer
und er lehnte ab.
Es gelang mir, meine Bauernschwäche auf c6 aufzulösen, wonach
ich vom Gewinn träumte. Eine halbe Stunde habe ich investiert um
herauszufinden, wie ich meine Figuren aufstellen muß. Doch b2 war
nicht zu erstürmen. Nun hätte ich möglichst viele Schwerfiguren
auf dem Brett lassen sollen, damit Weiß die Bauernmehrheit auf dem
Damenflügel nicht aktiv ausnutzen kann. Den Abtausch Tc8 nebst De3
hatte ich übersehen.
Da ich merkte, daß mir die Partie zu entgleiten drohte und ich
glaubte, dennoch passabel zu stehen, bot ich ein zweites Mal Remis.
sca: Wie hat Robert Hübner reagiert?
Diesmal lehnte er wortlos ab. Um den 35. Zug sah die Stellug anrüchig
aus. 38. Tc1 macht aber deutlich, daß Schwarz noch nicht chancenlos
ist. Z.B. 39. Ta7: Td1+ Nun sind alle drei möglichen Züge nicht
gänzlich klar. Z.B. 40. Ke2 Tb1 41. Ta4 Ke4 42. b5 Ke5 43. Ta5 Ke4
und Schwarz hält Remis. Auch 40. Kc2 Tf1 oder 40. Kc3 Tc1+ oder 40.
... Ke4 mit Angriff auf f2 ist in Zeitnot schwer zu beurteilen. Nach 39.
a4 hält Schwarz allem Anschein nach Remis.
48. Tc6?? überspannt den Bogen. Zunächst glaubte ich, der Zug
sei sehr stark. Freudlos rechnete ich Varianten mit Tb7 oder Tg7 durch.
Doch in beiden Fällen steht Weiß wohl auf Gewinn, Wie auch
Robert war mir ein Rechenfehler unterlaufen. Ich war wie vernagelt und
sah bei der Berechnung des Partieverlaufs 52. ... d4 zunächst nicht.
Es kostete nicht große Mühen festzustellen, daß 52. ...
Kd6 wohl Remis hält. Man prüfe 53. g4 d4.
Dann, beim 52. Zug angekommen, stellte ich fest, daß d4 auch gleich
geht und Schwarz ein Tempo sparen kann. Danach ist es für Schwarz
wohl gewonnen.
Trotzdem bin ich nicht glücklich über Partieverlauf und -ende.
Ich bin mit Robert gut befreundet und schätze seinen Kampfgeist.
sca: Danke, Henrik.
Und das war es. Mit einem kanppen, aber verdienten Sieg der Solinger und
einem deutlichen Erfolg der Plauener verabschieden wir uns. ... bis Morgen
... .
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