Hallo zum Bundesliga Wochenende in Solingen!

Ok, die Gelsenkircher steckten auf der Autobahn im Stau. Doch wohlbehalten angekommen sitzen nun sie auch am Brett.

Auffällig heute: Beim Gastgeber Solingen fehlen Morozevich und Piket. Behält Mannschaftsführer Herbert Scheidt seine Joker für den Einsatz gegen Lübeck noch in der Hand? Werden sie vielleicht geschont für die morgige Begegnung? Hoffentlich geht das gut: Die Hamburger auf der anderen Seite sitzen in Bestbesetzung am Brett. Spannend wird es werden!

Die Lübecker bieten alles: Von Schirow, Adams, Bareev bis Speelmann sind alle da. Epischin an Brett 5 fehlt; der ist in Bern. Dort ist heute die letzte Runde. Vielleicht werden wir ihn morgen sehen. Doch Hodgson, Agdestein, DeFirmian und Nunn sind ein starker Block. Den Gelsenkirchern dürfte es gruseln. Zumal sie auch auf ihre Stütze Kotter verzichten müssen. Auch Martin Ahn ist nicht dabei. Allerdings sitzt der Nenasev-Bezwinger Axel Partenheimer wieder am Brett.

Bei Gelsenkirchen - Lübeck ist es die Partie Barejew - Kalka, die auffällt. Nach der schwarzen Rochade hängt ein Turm. Die Pfade der Theorie sind noch nicht verlassen. Doch die Stellung scheint eher für den Russen ungewohnt zu sein. Einem Zeitverbrauch von 10 Min. stehen 40 Min. von Barejew gegenüber.

Nach langer Überlegung, zog Barejew nun b4. Was aber wäre passiert, wenn er sich den Turm auf b8 einverleibt hätte?

12. Db8: Td8

13. Td2 (oder 0-0-0 Dc5: 14. Kb1 Tc8 mit starkem Angriff von Schwarz)

13. ... Td2:

14. Td2 Db1+

15. Td1 Db4+

Kalka scheint deutlich besser mit dieser Stellung vertraut zu sein. Während Barejew bereits 1 Std. und 17 Minuten investiert hat, brauchte Kalka lediglich 11 Minuten.

sca: Ein kleiner Plausch mit Stefan Balster, Mannschaftsführer in Gelsenkirchen. Balster zum Kampf: Kotter ist familiären Gründen heute verhindert, der Belgier Martin Ahn spielt ein IM Turnier in Frankreich, um seine letzte Norm zu erfüllen. Und zum Ergebnis: "Etwas anderes als ein 8-0 wäre toll." Ok, ein breites Grinsen gleitet über sein Gesicht.

Bei mir ist Markus Schäfer. Markus was gibt es neues im Solinger Lager? Es könnte aufregender sein. Alle Partien sind weitgehend ausgegliechen oder noch recht schwerblütig. Am intersantesten sind die Partien von Jussupow (Brett 2) und Chandler (Brett 7).

msch: Jussupov spielt sein Collesystem, daß er oft und gerne spielt. Der Zeitverbrauch ist ausgeglichen. Beide sind solide Spieler, trotzdem ist die Stellung spannend und ein langer Kampf zu erwarten. Die Stellung ist chancenreicher für Weiß.

Chandler überlegt lange nach dem Schlagen auf e6. Eine sehr zweideutige Position zeichent sich ab. Schwer zu sagen, wer Vorteil hat. Ich wage mal die Prognose, Chandler kommt in Zeitnot - sicherlich keine gewagte Prognose. Die Partie ist sicherlich nach 4 Stunden beendet.

Kurzer Sprung zum anderen Kampf:

Barejew- Kalka: Kalka spielt nach wie vor wahnsinnig schnell. Zeitverbrauch Barejew: 1 Std. und 46 Min; Kalka: 17 Min. Wird Barejew etwa Opfer einer vorbereiteten Variante des über 300 Elopunkte schwächeren Gelsenkircheners?

Meesen-Speelman: Hier ist ein interessantes zweischneidiges Endspiel entstanden, daß aufgrund des starken Freibauern auf a4 wohl besser für Schwarz ist. Außerdem hat der Gelsenkirchener Führer der weißen Steine nach 28 Zügen lediglich knapp 15 Minuten übrig um sich diese schwierige Stellung genau anzuschauen.

Nunmehr ist es klar: Speelman gewann. Das nun schon der zweite Punkt der Lübecker. Auch DeFirmian hat seinen Punkt eingefahren. es sieht nach einer klaren Niederlage der Gelsenkirchner aus. Lediglich Kalka scheint Vorteile zu haben.

Robert Hübner spielt unendschieden gegen Hansen. Bei Kasimdzhanov Remisstellung ist zum klaren Vorteil für den Solinger umgekippt. Dafür ist die Weißhoffung Jussupow nunmher zum Remis gekippt. 1-1 der Zwischenstand zwischen den Klingenstädtern und Hamburg.

Nur die Zeit kann Kasi bremsen. Der Materialvorteil ist klar. Mit 10 min gegen 17 min des Hamburger ist der Russe jedoch weiterhin die klarste Hoffnung der Solinger.

SCM: Allmählich beginnt die Zeitnotphase. Der Gelsenkirchener Partenheimer hat noch 6 Min. für 26 Züge. Seinem Mannschaftskameraden Kishnew bleibt noch eine Minute für die letzten 4 Züge. Der Lübecker Barejew leidet noch immer unter dem hohen Zeitverlust der Eröffnungsphase: Er muß die letzten 27 Züge in vier Minuten schaffen.

Kasimdzhanov gewinnt. Die Solinger gehen 2,5-1,5 in Führung. Aber an Brett 7 sieht es gut aus für die Hamburger: Nach dem 40. Zug steht Heinemann besser gegen Chandler. Und noch ein Hiobsbotschaft für die Solinger: Nikolic verliert gegen Kempinski.

Und es kommt noch dicker: Wahls gewinnt auf Zeit gegen Sadler.

Die Gelsenkirchner haben ihr Ziel schon erreicht. Stefan Balster spielt Remis gegen Agdestein. Auch bei Baumhus sieht es nach Remis aus. Doch die Packung bleibt. Die Lübecker sind in guter Form für morgen.

Hodgson und Baumhus trennen sich Remis. Auch Schirow kommt über ein Remis gegen Feigin nicht hinaus. Feigin wird damit zum neuen Gelsenkircher Helden. Und mit drei Remis gegen die Weltklassemannschaft Lübeck im Rücken werden sowohl sie als auch die Hanseaten mit dem Gesamtergebnis zufrieden sein.

Der Solinger Mannschaftsführer Scheidt wandelt mi ernster Miene durch die Reihe der Spieler. Seine Engländer Emms und Chandler spielen noch und haben es verdammt schwer.

Chandler steht gegen Heinemann eigentlich auf Verlust, aber braucht das Remis wie Fisch das Wasser. Der Hambuger Karsten Müller hat zwar einen Bauern weniger, aber ein Sieg von Emms ist noch in weiter Ferne. Der Siegestraum der Solinger ist geplatzt, und für ein Unendschieden 4-4 müßten Berge versetzt werden, zumindest die auf dem Brett von Chandler.

Das Ziel der Solinger mit zwei Siegen im Kampf um die Meisterschaft eingreifen zu können, ist nunmher endgültig dahin.

Emms macht seine Sache gut: Nun sind es zwei Bauern, die er vorne liegt. Gut sieht es für ihn aus. Auch Chandler kämpft mit dem Rücken zur Wand. Seine Figuren hat er prima aufgestellt. Heinemann spielt mit der sicheren Bank von zwei Mehrbauern, aber muß auf seine Figuren aufpassen, sonst ist der sichere Sieg verpaßt.

Ties Heinemann macht seine Sache gut. Sein b-Bauer wird vom König getrieben. Und die Probleme am Königsflügel scheinen lösbar. Auch Karsten Müller rückt mit Springer, Turm und vielleicht später mit dem König dem weißen Monarchen auf die Pelle. Emms Materialvorsprung ist kein Selbstläufer.

Und Karsten Müller hat sein Remis in der Tasche. Chandler quält sich noch. Doch das Spiel ist vorbei. Mit dem 3-5 müssen sich die Solinger abfinden.