Hallo zum zweiten Tag des Bundesligawochenende in Solingen,
Zu Anfang gab es leider noch ein paar Probleme, (kurz vor Beginn des Matches wurde die Sitzordnung geändert), aber inzwischen ist alles in Ordnung. Wenn mal keine Partien sichtbar sind, sollte dies nach einer halben Minute wieder behoben sein.
Was erwartet uns heute? In erster Linie der Spitzenkampf der 9. Runde Lübeck- Solingen. Nach den Patzern gegen Wattenscheid und gestern gegen Hamburg haben die Solinger heute zum letzten Mal bei der Vergabe des Meistertitels ein Wörtchen mitzureden. Sie haben zwar auch bei einem Sieg gegen die Lübecker keine Meisterschaftschancen mehr, können den Porzern aber Schützenhilfe leisten.
Im Übrigen haben die Solinger noch eine Rechnung mit den Lübeckern offen. Schließlich traten die Hanseaten in der letzten Bundesligarunde gegen Porz nur noch mit einer Rumpftruppe an, da sie selbst chancenlos waren und machten so Porz indirekt zum Meister. Man kann also davon ausgehen, daß es einen heißen Kampf geben wird.
Trotzdem sind die Lübecker klarer Favorit. An Brett zwei hat Adams 100 Elopunkte mehr als sein Gegner Piket. Da er zusätzlich die weißen Steine hat, wird er wohl die Order haben, auf Gewinn zu spielen. Auch an den Brettern 1 (Kasimdzhanov-Shirov), 3 (Jussupow-Barejew), 5 (Hübner- Hodgson), 7 ( Emms-DeFirmian) und 8 (Nunn-Chandler) sind die Lübecker laut Elozahl ihren Gegnern mal deutlicher, mal weniger deutlich überlegen. Lediglich Nikolic (mit Schwarz gegen Speelman) und Sadler (mit Schwarz gegen Adgestein können leichte Vorteile auf dem Papier für sich verbuchen.
Kazimdshanov-Shirov: Nichts bringt das Qualitätsopfer 11. ... Tc3 12. bc. Sa2: + 13. Kb2 und dann z. B. ... Db6+ 14. Ka2 Se4
Nach 2 1/4 Stunden endet die erste Begegnung friedlich: Hübner-Hodgson remis.
Am Nebenraum kommentiert nun IM Markus Schäfer (Solingen) einige Partien. Auf diese Analysen stützen sich die folgenden Anmerkungen.
Kazimdzahov-Shirov: Shirov hat es geschafft Feuer auf dem Brett zu legen. Laut Schäfer dürfte es Kasi schwer fallen sich gegen den schwarzen Angriff zur Wehr zu setzen. So folgt zum Beispiel auf den Entwicklungszug 16. Le2 schon das starke Lh6+. Der Läufer ist wegen des Mattes auf c3 Tabu und Weiß verliert so auch noch den Bauern c3. Kazimdshanov steckt inzwischen schon über eine halbe Stunde in die Stellung nach 15. ... Da5. Er scheint Schäfers Einstellung zu teilen, daß hier nur sehr schwer eine Verteidigung zu finden ist.
Jussupow-Bareev: Die Stellung ist laut Schäfer ausgeglichen bis besser für Schwarz. Bareev muß zwar aufgrund seiner noch etwas unsicheren Königsstellung aufpassen, hat aber in einem eventuellen Endspiel aufgrund des Läufers gegen den Springer die besseren Chancen.
Hübner-Hodgson: Laut Analyse von Hodgson hätte Hübner nach 22. ... Sd7 mit 23. a5 noch eine für Schwarz nicht einfach zu spielende Stellung herbeiführen können. Fehlte Hübner an diesem Wochenende der rechte Kampfgeist?
Adgestein-Sadler: "Jetzt geht es erst richtig los. Ich würde die schwarze Stellung bevorzugen. Wahrscheinlich sollte Schwarz nicht versuchen die Damen zu tauschen um die weiße Bauernstellung auszunutzen, sondern mit der Dame gegen den weißen König vorzugehen." (M. Schäfer)
Emms-DeFirmian: "In dieser Stellung bin ich optimistisch für Solingen. Weiß hat das bessere Endspiel, aktives Figurenspiel und außer ein paar Grundreihentricks hat Schwarz hier nicht vorzuweisen." (Schäfer)
Ein kurzer Sprung zum anderen Manschaftskampf: Hier könnte die erste Entscheidung vor der Tür stehen. Oliver Reeh hat einen starken Angriff gegen Ulrich Wiechen auf dem Brett und auch der Gelsenkirchner Kishnev steht gegen Dorfman mit nur noch 10 Minuten für 17 Züge mit dem Rücken zur Wand.
Wieder zurück zu Lübeck-Solingen. Hier hat Kasimdshanov sich in ein kompliziertes Endspiel mit Turm, ungleichfarbigen Läufern und einem Minusbauern gerettet. Adgestein und Sadler waren nicht Schäfers Meinung, daß es erst richtig losgeht, sondern trennten sich friedlich und Bareev und Jussupow taten es ihnen gleich.
Auch beim Hamburg-Gelsenkirchen ist die erste Partie beendet: Kempinski schlägt Kalka. Nun geht es Schlag auf Schlag: Kishnev verliert gegen Dorfman und Schirbel gewinnt mit Schwarz gegen den 200 Punkte stärkeren Karsten Müller. Wieder einmal ein großer Erfolg für einen Spieler der Amateurtruppe.
Bei Lübeck-Solingen verliert Kazimdshanov gegen Shirov und Speelman und Nikolic trennen sich mit einem Remis.
Kurzer Besuch von Matthias Krallman. Krallmann: "Lübeck ist nicht zu stoppen. Nunn wird das gewinnen und Adams kann das Endspiel nicht verlieren, höchstens gewinnen. Ich tippe auf 5:3 oder 4 1/2- eher auf 5:3.".
sca: Die Hamburger steuern auf einen klaren Sieg zu. Feygin steht zwar gut gegen Fatcnik. Die Figuren sind aktiv und der freie Bauer auf a6 schaut auch prima aus. Aber sonst kämpfen die Gelsenkircher mit dem Rücken zur Wand: Baumhus hat eine Qualität weniger, Balster steht auf Verlust. Reeh hat einen Bauern mehr gegen Uli Wiechen.
Ok Feygin hat inzwischen gewonnen und Wahls gewinnt gegen Balster. Heinemann und Partenheimer steuern wohl auf ein Remis zu. Tippen wir mal auf ein 5 1/2 für Hamburg.
Eine etwas andere Einschätzung zu Adams-Piket als Krallman hat Markus Schäfer: "Zwischendurch habe ich mir ernste Sorgen um Jeroem Piket gemacht, aber die Partie hat sich in der Zeitnot gedreht. Ich denke die beiden werden noch etwas spielen, aber die Stellung wird wohl remis ausgehen. wenn überhaupt kann Schwarz noch etwas versuchen, aber ich sehe nicht wie er im Gewinnsinne vorankommen will. Bei Agdestein- Sadler hätte ich eigentlich erwartet, daß Schwarz die Endstellung gerad angesichts des Mannschaftsstandes weiter spielt. Schließlich kann ihm eigentlich nichts passieren, aber er hat durchaus Chancen. An Brett 7 gehe ich davon aus, daß das Endspiel für Weiß gewonnen ist." Diesen Kommentar gab Schäfer allerdings nach dem 40. Zug ab. Nachdem er die Partievariante gesehen hat, meinte er, daß es vielleicht geschickter gewesen wäre 41. g5 zu spielen, da Schwarz so in ähnlicher Variante keine Schachs auf der 2. Reihe hat.
Schäfer zu Nunn-Chandler: " Was soll man das groß kommentieren. Natürlich kann alles passieren, aber ich sehe keine Chance für Schwarz. Insgesamt tippe ich auf ein 5:3 für Lübeck." Die Experten sind sich also was das Gesamtergebnis angeht einig.
Kurzer Schwenk zu Hamburg- Gelsenkirchen: Baumhus verliert gegen Hansen. Reeh und Heinemann stehen mittererweile auf Gewinn. Das 6-2 liegt in der Luft.
Nun haben sich auch Adams und Piket auf Remis geeinigt. Damit dürfte die Niederlage für Solingen endgültig besiegelt sein.
Nunn gewinnt gegen Chandler. Lübeck: 4 1/2 Solingen: 2 1/2.
Shirov zu seiner Partie: " 17. Se6: war schlecht. 17. Sb3 und ich glaube nicht das Schwarz besser steht. Zum Beispiel 17. .... Ke7 18. e5 de: 19. Ke1 Db2 20. Td7: Kd7: mit unklarem Spiel. Oder 17. Sb3 Db2 18. Tb1 Db1: 19. Lb5 Dh1:. spielt Schwarz 19. - Lh6+ 20. Dh6: Dh1 21. Ld7: Kd7: 22. Dg7+ Kc6 23. Sa5+ Kb6 24. Db7: Ka5 25. Dc7+ mit Remis."
Reeh gewinnt gegen Wiechen. 5-2 führen die Hamburger.
Neben mir steht Matthias Krallmann. Matthias, du hast den Kampf der Giganten heute beobachtet. Die Lübecker waren die Sieger - aus deiner Sicht was war los?
Matthias: Lübeck hat verdient und sicher gewonnen. Solingen konnte ebenso wie am Tag zuvor in den Weißpartien nicht genügend Druck entfalten. Lediglich Emms stand etwas besser und versucht nun in einem Endspiel Dame und g-Bauer gegen Dame seinen Vorteil zu verwerten. Insbesondere Hübner und Jussupow enttäuschten an diesem Wochenende. Zweimal willigten sie relativ schnell mit Weiß ins Remis ein. Kasimshanov war gestern noch der Held mit einem Schwarzsieg und heute der Verlierer mit Weiß. In einer sehr scharf angelegten Partie erwies sich Shirov als der Stärkere. In der post mortem Analyse haderte der Usbeke mit seinem 17. Zug. Nach Sb3 hat Weiß nach Kasimshanov die besseren Karten. Shirov gibt immerhin zu, dass Schwarz danach nicht besser steht.
Danke Matthias. Lübeck reicht nun höchstwahrscheinlich ein 4-4 gegen Porz zum Titel.
Nun ist es offiziell: Die Hamburger gewinnen auch an Brett 7: Partenheimer verliert gegen Heinemann. Endstand Hamburg - Gelsenkrichen 6-2.
Nun ist auch der Kampf Lübeck- Solingen beendet. Emms gewinnt trotz starker Gegenwehr von DeFirmian, aber das ändert bekanntlich auch nichts mehr am Lübecker Gesamtsieg.