Carlsen oder Agdestein? Diese Frage könnte ein Nichtschachspieler stellen, der sich die Teilnehmerliste und die Tabelle des Superturniers in Stavanger ansieht. Nun....Agdestein spielt jedenfalls bisher überzeugender als sein weltmeisterlicher Zögling. Er spielt so als wäre er seit zig Jahren in der absoluten Weltspitze beheimatet und hatte bisher in keiner Partie ernsthafte Schwierigkeiten - im Gegenteil. In der heutigen Schwarzpartie gegen Karjakin verteidigte der allererste norwegische Großmeister und ehemalige Fussballnationalspieler phantastisch um den Russen dann sogar zu überspielen. Er stand auf Gewinn aber leider fand er den kaltblütigen Weg zur Verwertung des Vorteils nicht und Karjakin entkam knapp ins Remis. Einen immensen Zuwachs an Sympathie-Elo hat Agdestein jetzt schon sicher. Kein Wunder, dass ihn Kasparov einst als besten Amateur der Welt bezeichnete. Agdestein ist Lehrer an einem Sportgymnasium in Oslo, ist verheiratet und hat drei Kinder. Was für ein Potential steckt in diesem Multitalent, an dem die fokussierte, hochprofessionelle Schachelite bislang abprallt! Hat er die Kraft dieses Niveau durchzuhalten? Es ist ihm zu wünschen - es würde ein Raunen durch Norwegen gehen und es hätte eine gewisse Magie, wenn es Agdestein gelingen würde Weltmeister Carlsen in Stavanger zu schlagen. Insgesamt war es eine hochinteressante Runde heute. Aronian leistete sich in einer englischen Partie gegen Grischuk den katastrophalen Fehler 13...Df5, wonach 14.Th4 folgte und die armenische Dame nicht mehr zu retten war. Im 40.Zug hatten Aronians Leiden ein Ende. Einen sehr schlechten Tag erwischte Anish Giri, der aus einer schönen Stellung gegen Kramnik aufgrund eigener Planlosigkeit eine Verluststellung machte, die nicht mehr zu halten war. Es war ein Katalane und da gewinnt Kramnik gerne und oft mit beiden Farben. Weltmeister Carlsen ist offenbar nicht in Form, auch wenn das brillante Blitzschachergebnis zum Auftakt anderes vermuten ließ. In seiner Partie gegen Tabellenfüher Caruana versäumte er es eine sehr gute Position mit klarem positionellem Vorteil richtig zu behandeln. Er ließ sich auf ein taktisches Geplänkel ein, worin Caruana besser gerechnet hatte. Mit Glück und guter Verteidigung rettete sich Carlsen in einem Endspiel mit einer Figur weniger ins Remis. In der Partie Svidler-Topalov gab es nur einen der auf Sieg spielen konnte. Der schöne Vorteil Svidlers verflachte nach dem Abtausch eines Turmes und auch hier stand am Ende ein Remis. Caruana führt mit 2,5 Punkten vor Grischuk und Kramnik mit je 2, Agdestein, Aronian und Carlsen folgen mit 1,5 Punkten. norwaychess