Erneut wurden die hohen Erwartungen der zahlreichen Schachfans enttäuscht, denn heute gab es ein noch schnelleres Remis als gestern. Es wurden zwar mehr Züge gespielt aber das schnelle Spiel der beiden Kontrahenten in der Eröffnungsphase ließ die Partie zeitlich noch kürzer als gestern werden. Carlsen wählte eine klassische Variante der Caro-Kann-Verteidigung und hatte ähnlich wenig Mühe auszugleichen wie Anand gestern. Das lodernde Feuer der Begeisterung ist nach zwei Partien kleiner geworden und kann nur durch eine echte und entschiedene Kampfpartie wieder richtig entfacht werden. Carlsen, der sich normalerweise selbst in der Pflicht sieht jede Partie auszukämpfen, ist nun gefordert. Partie 3 folgt am Dienstag. chennai

Das deutsche Team trat heute ohne den in bestechender Form befindlichen Arkadij Naiditsch an und verlor prompt gegen Georgien mit 1,5:2,5. Georg Meier verlor völlig unnötig gegen Baadur Jobava. Baramidze verlor und Fridman gewann. Eine vertane Chance, denn viele favorisierten Mannschaften haben bereits Federn gelassen. So unterlag heute die Ukraine gegen Frankreich mit 1:3. Die beiden Verliererteams der gestrigen Runde Russland und England nahmen sich beim 2:2 gegenseitig einen Punkt im Kampf um die Medaillen ab. Österreich war hauchdünn an einer weiteren Sensation dran, verlor aber dann doch etwas unglücklich mit 1,5:2,5 gegen das elomäßig übermächtige Armenien. Ragger schaffte dabei ein souveränes Schwarzremis gegen die Nr. 2 der Welt Aronian. Nur noch Tschechien und Frankreich sind noch ohne Verlustpunkt. Deutschland hat 3 Punkte und liegt auf Rang 16. Bei den Damen führen Armenien, Polen und die Ukraine. Deutschland hat gegen die Türkei mit 3,5:0,5 gewonnen und hat Platz 11 inne. etcc2013

Ein riesige Sensation gab es heute in Runde 2 bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Warschau. Russland verlor völlig überraschend gegen die Türkei. Dragan Solak bezwang in der alles entscheidenden Partie Alexander Grischuk und nach den 3 Remis an den restlichen Brettern war das 2,5:1,5 für die Türken perfekt. England kam gegen Griechenland noch deutlicher unter die Räder, nämlich mit 1:3. Die deutsche Mannschaft trennte sich gegen Polen 2:2 wobei alle Partien entschieden wurden. Für Deutschland punkteten Naiditsch und Baramidze. Mit Deutschland punktgleich ist Österreich, das gegen Rumänien 2:2 spielte. Ein weiterer Erfolg für die Männer um den Solinger Bundesligaspieler Markus Ragger. Es war nicht der Tag der russischen Teams, denn auch die Damen kassierten eine 1,5:2,5-Niederlage gegen Israel. Das Deutsche Team gewann mit 3:1 gegen die Schweiz. etcc2013

Gute Nachrichten für Indien! Anand erreicht in Partie 1 mit den schwarzen Steinen in einem grünfeldindischen Abspiel mit weißem Doppelfianchetto ein ungefährdetes Kurzremis nach nur 16 Zügen. Carlsen zeigte in der Eröffnung nichts, nur scheinbar lustloses Vermeiden von Hauptvarianten. Es war Anand, der nach wenigen Zügen die leicht bequemere Stellung erhielt, was einmal mehr zeigt, dass Carlsen nicht allzuviel von eröffnungstheoretischer Vorbereitung hält. Unter einem Trainer Kasparov wäre das unmöglich gewesen, was schließlich auch zur Trennung der Beiden geführt hat, denn genau die Eröffnungsvorbereitung war das Steckenpferd des Ex-Weltmeisters. Carlsen hatte sich von der Schachlegende Kasparov zu sehr unter Druck gesetzt gefühlt. So ist er in der Eröffnungsphase weiterhin "das faule Genie". Ob es zur Erringung des Titels reicht werden wir sehen. Anand kann in seiner Weißpartie zeigen, was er in petto hat und vielleicht wird Carlsen von einem topvorbereiteten Kontrahenten auf den Boden der Realität geführt, dass mehr nötig ist um einem amtierenden Weltmeister die Krone wegzunehmen. chennai
Das deutsche Männerteam startete bei der Mannschafts-EM als Titelverteidiger erfolgreich ins Turnier und konnte Israel mit 2,5:1,5 besiegen. Matchwinner war dabei Arkadij Naiditsch, der an Brett 1 Tamir Nabaty schlagen konnte. Es gab gleich zu Beginn einige Überraschungen. Österreich schlug sensationell die Niederlande mit 2,5:1,5 - Robert Kreisl gewann die entscheidende Partie gegen Jan Smeets. Aserbaidschan musste unerwarterweise gegen Schweden ein 2:2 hinnehmen und büßte gleich einen wichtigen Punkt im Kampf um die Medaillen ein, ebenso wie die starken Armenier die gegen Bulgarien über ein 2:2 nicht hinaus kamen. Die hochfavorisierten Russen gewannen knapp gegen Serbien 2,5:1,5. In der Damenkonkurrenz konnten sich weitgehend die favorisierten Nationen durchsetzen - allein ausgerechnet dem Deutschen Team war es vorbehalten dem Aussenseiter Griechenland mit 1,5:2,5 zu unterliegen. Tatiana Melamed hatte in ausgeglichener Stellung einen bösen Blackout und verlor, während Zoya Schleining ihren schönen Vorteil zum Remis verspielte. Ein mehr als enttäuschender Start des nominell starken deutschen Damenteams. etcc2013

Der Dominator auf dem Schachthron für 20 Jahre Garri Kasparov, der von Carlsen als bester Schachspieler aller Zeiten angesehen wird, hofft, dass der junge Norweger Weltmeister werden wird. Es gefällt ihm nicht, dass dieser ihm seine Rekorde wegnimmt, aber es sei an der Zeit, dass die neue Generation an jungen ehrgeizigen Schachspielern einen neuen Schachkönig wie Carlsen erhält. Ein Sieg Carlsens sei ein Sieg für die Schachwelt. Nur er könne das Spiel an Popularität weiter voran bringen. Die erste Partie Carlsen-Anand startet morgen 10:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit. chessbase

Die Nr. 1 der Welt und WM-Herausforderer Magnus Carlsen wird am Samstag in Partie 1 die weißen Steine führen. Das weltweite Presseecho in Anands Wohnort Chennai ist gewaltig vor dieser WM und hat mit dem großartigen Ruf der beiden Protagonisten zu tun. Anand ist ein Superstar in seinem Land, ebenso wie Carlsen in Norwegen, der sich auch als Mode-Model bei G-Star einen Namen gemacht hat. Reizvoll ist natürlich auch das Aufeinandertreffen zweier Generationen. In einer interessanten Pressekonferenz im Rahmen der Eröffnungsfeier gab Anand offen sein Team bekannt. Neben den indischen Schachgrößen Ganguly, Sandipan, Harikrishna sind noch der polnische Spitzenmann Wojtaszek und der Ungar Peter Leko im Team des Titelverteidigers. Carlsen dankte Anand für diese Offenheit, hält aber lieber geheim, wer für ihn in Chennai arbeiten wird. Ein pikanter Nadelstich und Schachzug des Herausforderers!! Carlsen äußerte sich zufrieden mit seinen bisherigen Erlebnissen in Chennai und seinem Aufenthalt. Er reiste mit Koch, Arzt und Leibwächtern an und will nichts Negatives an sich herankommen lassen um sich mit seiner ganzen Energie auf seine Aufgabe den Titel nach Norwegen zu holen, konzentrieren zu können. chessbase

Letzte Woche fand ein interessantes Schnellturnier im bulgarischen Kozludy statt, das Veselin Topalov für sich entscheiden konnte. Es wurden Spieler aus Ländern eingeladen, durch die die Donau fließt. Deutscher Vertreter war der junge IM Rasmus Svane. Er schlug sich als klarer Elo-Außenseiter achtbar und erreichte aus 9 Runden 3,5 Punkte. Topalov gewann mit 6 Punkten vor den punktgleichen GM Baklan und GM Rapport. chess-results

Ratmir Cholmov war ein großes Schach-Naturtalent und hatte nach Ausbruch des 2. Weltkrieges als Seemann ein schweres Leben gehabt. Er konnte in seiner besten Zeit mit den Allergrößten wie Botwinnik und Smyslov messen und mithalten. Schach und Kultur gibt einen interessanten Einblick in den Lebenslauf des Schachmeisters. schachundkultur

Am morgigen Donnerstag wird der Titelkampf um die Weltmeisterkrone in Chennai feierlich eröffnet. Es werden 12 Partien mit regulärer Bedenkzeit gespielt. Carlsen gilt dabei angesichts seiner um 95 Punkte höheren Elozahl als klarer Favorit und natürlich aufgrund seiner Jugend. Für Anand spricht seine enorme Erfahrung in Zweikämpfen und der nicht zu unterschätzende Heimvorteil. Nicht nur das heiße Klima sondern auch über eine Milliarde Inder erhoffen und erwarten einen Sieg ihres Nationalhelden. Sollte Anand in Führung gehen wird ein Hype und eine Begeisterung entfacht werden, die auch an Carlsen nicht ganz spurlos vorbei gehen wird. Zweikämpfe sind Nervensache. Man wird sehen wie Carlsen als Zweikampfneuling in ernsthaften Partien damit zurecht kommt. Vladimir Kramnik hat geäußert, dass er glaubt Anand hätte Angst vor Carlsen und Nigel Short sieht die Zeit für einen Generationenwechsel gekommen. chennai2013