Magnus Carlsen zeigte heute die vielleicht beeindruckendste Partie des Kandidatenturniers in London. Die Art und Weise wie er den Vorteil herausgespielt hatte, war großartig und er scheute kein Risiko, z.B. mit der Öffnung der A-Linie, die einige Optionen für seinen Kontrahenten Gelfand bot. Es war nicht klar erkennbar wo genau Gelfand in diesem Rossolimo-Sizilianer einen Fehler begangen haben sollte. Nach einem leichten Durchhänger in den letzten Partien scheint Carlsen nun wieder voll auf der Höhe zu sein und das ist auch nötig, denn Aronian siegte ebenfalls. Ivanchuk wagte das Budapester Gambit, das auf höchster Ebene so gut wie nie anzutreffen ist. Der Verlauf der Partie gab ihm eigentlich Recht, doch der Ukrainer verbrauchte sehr viel, ja zuviel Zeit und war unter immensem Zeitdruck nicht mehr in der Lage genau zu spielen, was angesichts der komplizierten Stellungen gegen Aronian nötig gewesen wäre. Auch Kramnik gewann und verbuchte seinen zweiten Sieg, weil Grischuk einen unfassbaren Fehler in einem ausgeglichenen Endspiel beging. Aber gegen die Berliner Verteidigung Kramniks versuchten sich schon ganz andere - selbst ein Kasparov biss sich einst die Zähne daran aus, denn diese Verteidigung scheint für den Stil Kramniks wie maßgeschneidert zu sein. Die Partie Radjabov-Svidler endete nach wenig spektakulärem Verlauf mit Zugwiederholung. Es bleibt spannend - Carlsen führt mit 7 Punkten vor Aronian 6,5 und Kramnik mit 6.
london2013